In die Luft gegangen ist Sebastian Brendel vom KC Potsdam im OSC Potsdam schon öfter. Vor Freude hüpfte der Canadierfahrer zuletzt bei der Hitzeschlacht des Potsdamer Kanalsprints in die Höhe. Nach den 200 Metern durch Potsdams historische Mitte konnte er sich vor seinem Teamgefährten Stefan Kiraj, der am Wochenende bei den U-23-Weltmeisterschaften in Moskau antritt, durchsetzen.
Davor hatte der 22-jährige Brendel im spanischen Trasona Grund zum Jubeln gehabt. „Bei den Kontinentalmeisterschaften in Asturien habe ich mir im Einer die Goldmedaille über 1000 Meter geschnappt, mein erster großer Titel.“ Bei der Heim-EM auf dem Beetzsee in Brandenburg hatte er 2009 noch mit Silber auf dieser Distanz Vorlieb nehmen müssen.
Der glänzende Saisonstart beim ersten Weltcup im französischen Vichy, die nachfolgende internationale Regatta in Duisburg, schließlich der EM-Erfolg – Brendel wurde vom Verbundnetz für den Sport, das Athleten auf ihrem Weg zu den Olympischen Spiele 2012 fördert, im Mai und Juni zum Sportler des Monats gekürt. „Das ist schon etwas Besonderes“, fand der Radsportler Robert Bartko. Der vierfache Weltmeister und Sport-Pate lud den EM-Sieger Brendel zu einem besonderen Ausflug ein. Für einen Rundflug stiegen die Sportler in eine einmotorige Maschine der Flugschule „Hans Grade“ Schönhagen (Teltow-Fläming).
„Mit 120 Litern Treibstoff bringt die Maschine uns bis nach Madrid“, ulkte Pilot Detlef Dannapfel, arbeitete die Checkliste ab und erläuterte den Passagieren die Instrumente. Die Athleten fühlten sich bald wie im Himmel. Auch als Flugschüler stellte sich Sebastian Brendel ganz patent an. „Fliegen Sie ruhig weiter. Ich hab’ hinten noch ein gutes Buch“, hatte Dannapfel geflachst und dem Kanuten für eine Weile das Steuer anvertraut. Robert Bartko OSC Potsdam, der in der zweiten Reihe der Maschine saß, klatschte bei so viel Vertrauensvorschuss vor Überraschung in die Hände.
Piloten-Azubi Brendel flog geradewegs auf Potsdam zu. Nach dem Vulkankrater des Filmparks Babelsberg tauchte bald das Schloss Sanssouci auf. Eine Extra-Runde gab es über dem Olympiastützpunkt am Luftschiffhafen. So konnte Sebastian Brendel das Areal der Trainingsstätte und auch „seinen“ Anleger am Templiner See mal ganz in Ruhe von oben betrachten. „An unserem Steg herrscht gerade Ruhe“, bemerkte der Indianerbootfahrer.
Auf dem Rückweg glitten Werder und Caputh, wo sich auf dem Wasser ein Ruder-Achter mühte, vorbei. Bei Jüterbog war deutlich die Rauchwolke zu erkennen, die von dem Brand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz aufgestiegen war.
Auch berufsbedingt hatte es schon einen Höhenflug für Brendel gegeben. „Das war zu Beginn meiner Ausbildung“, erzählt der Bundespolizist. „In der ersten Woche waren wir mit dem Helikopter unterwegs, haben später einen Kontrollpunkt aufgebaut und mehrere Hunderttausend geschmuggelter Zigaretten sichergestellt“, erzählte der Sportler weiter.
Die sportliche Marschroute der nächsten Zeit ist für Brendel klar vorgezeichnet: „Bei der Weltmeisterschaft in Poznan will ich über drei Distanzen antreten. Neben den 1000 und 500 Metern im Einer werde ich in der Sprintstaffel mitfahren.“ Sein Sportpate Robert Bartko bestreitet demnächst einige Einzelrennen. „Die Bulgarien-Rundfahrt ist fest gebucht“, will der Radfahrer sich für die kommenden Sechstagerennen in Form bringen.
Der gebürtige Potsdamer Bartko hatte immer was mit der Fliegerei am Hut. „Mein erster Dienstgrad war Flieger“, erzählte der Sportsoldat lachend hoch oben in den Lüften. „Das hat damals bei den Mädels ziemlich Eindruck gemacht.“ (Von Ralf Thürsam)