Radsport

RADSPORT: Der Lokalmatador als Zuschauer

Robert Bartko ist beim 101. Berliner Sechstagerennen dabei, aber nur als Fan und nicht auf der Piste

BERLIN - Gestern Nachmittag radelte Robert Bartko bei Sonnenschein durch das Brandenburger Land. Wenn heute Abend (20 Uhr) der zweimalige Diskus-Weltmeister Robert Harting den Startschuss für das 101. Berliner Sechstagerennen gibt, dann wird Bartko indes nicht an der Startlinie stehen. Der Lokalmatador, Publikumsliebling und Titelverteidiger hatte nach einem Gagenstreit seinen Verzicht erklärt (MAZ berichtete).

„Donnerstagabend werde ich ganz gemütlich mit meiner Familie am Abendbrottisch sitzen“, meinte der Doppel-Olympiasieger von 2000. Auf die Frage, ob da nicht doch ein wenig Wehmut aufkomme, sagte der 36-Jährige: „Sicher, dafür hänge ich viel zu sehr am Bahnradsport. Deshalb werde ich im Velodrom auch als Fan vorbeischauen. Ich kenne viele Leute, mit denen ich ins Gespräch kommen will.“ Trotzdem bleibt er dabei: „Meine Entscheidung, in Berlin unter den gegebenen Umständen nicht zu starten, war richtig.“ Sein Erfolg beim Sechstagerennen in Bremen – mit dem Niederländer Peter Schep – hat Bartko darin bestätigt, dass er sich nicht zum alten Eisen abstempeln lassen muss. Er trainiere weiter fleißig. Schließlich steht nächste Woche der Start bei den Sixdays in Kopenhagen an.

In Dänemark wird er ausgerechnet mit Leif Lampater (Schwaikheim) fahren, der in Berlin nun statt Bartko mit Roger Kluge (Cottbus) um das Oval strampelt. Lampater konnte 2007 mit Guido Fulst (Berlin) schon einmal im Velodrom triumphieren, wo nach dem geplatzten Traumpaar Bartko/Kluge diesmal die Vorjahreszweiten und zweimaligen Weltmeister Leigh Howard/Cameron Meyer aus Australien als Favoriten gelten. Aber auch die belgischen Europameister Iljo Keisse/Kenny de Ketele dürften zu beachten sein. Der gebürtige Finsterwalder Henning Bommel vom LKT-Team Brandenburg versucht sich mit Tim Mertens (Belgien).

Insgesamt hat der sportliche Leiter Dieter Stein 16 Fahrerpaare verpflichtet. Neben den großen und kleinen Jagden der Zweierteams lebt die Stimmung im Velodrom traditionell ebenso von den nicht minder packenden Duellen der Sprinter oder Steher. Die nachträglich zu Team-Weltmeistern 2011 gekürten Maximilian Levy (Cottbus), Stefan Nimke (Schwerin) und René Enders (Erfurt) treten unter anderen diesmal gegeneinander an. Die Konkurrenz der Steher wird von Europameister Patrick Kos aus den Niederlanden angeführt. Natürlich ist auch der inzwischen 39 Jahre alte Vorjahressieger Timo Scholz vom OSC Potsdam mit Schrittmacher Karsten Podlesch dabei.

Premiere im Velodrom feiern die radelnden Damen für drei Nächte beim „Ladies Cup“. Hier gehen die Olympia-Kandidatinnen Stephanie Pohl und Madeleine Sandig aus Cottbus aussichtsreich ins Rennen. (Von Peter Stein)