POTSDAM - Punkt 20 Uhr wird Erik Zabel am Donnerstagabend den Startschuss für das 99. Berliner Sechstagerennen geben. Vor Jahresfrist hatte der Berliner Junge zum Abschluss seiner glanzvollen Karriere auf zwei Rädern selbst noch einmal mit dem Siegerkranz um den Hals eine Ehrenrunde drehen können. Robert Bartko fuhr damals an Zabels Seite und wird heuer mit dem Cottbuser Roger Kluge versuchen, den Triumph zu wiederholen. Es wäre sein dritter im Velodrom, seinem „Wohnzimmer“.
„Berlin ist nun mal mein Heimspiel. Seit 1999 war ich mit einer Ausnahme immer dabei.“ Langeweile kommt bei dem 34-jährigen Potsdamer trotzdem nicht auf. „Berlin ist die Nummer eins, da bin ich mir mit den anderen Sixdaysfahrern einig. Die Vorfreude bei allen ist riesengroß.“
Dennoch, die Wirtschaftskrise hat auch um das Geschäft mit dem Radsport keinen Bogen gemacht, zumal sich dieser mit den vielen Negativschlagzeilen immer wieder selbst die Knüppel zwischen die Speichen geworfen hat. Die Hauptstädter setzen die Treue der Fans und der Sponsoren dagegen, rechnen wieder mit 75 000 Besuchern, die rund um das Lattenoval den Bär steppen lassen.
„Die Stimmung in Bremen vorige Woche war nicht schlecht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass weniger Leute dabei waren als sonst. Man kann die Krise auch herbeireden oder herbeischreiben“, mahnte Bartko zur Sachlichkeit, zumal der Doppel-Olympiasieger nicht an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Wie alle Top-Pedaleure tritt er diesmal für eine schmalere Gage an. Der Schweizer Bruno Risi indes hatte offenbar kein Einsehen. Veranstalter Heinz Seesing blieb hart. Die Abschiedsvorstellung des Eidgenossen fällt damit aus.
Dass im Velodrom erstmals nur 17 statt wie gewohnt 18 Fahrerpaare antreten, hat zwar auch mit dem schmaleren Budget zu tun, wird aber die sportliche Qualität des Rennens keineswegs mindern. Bartko sieht die dänischen Weltmeister Alex Rasmussen/Michael Mörköv sowie die Niederländer Danny Stam/Peter Schep als größte Kontrahenten.
Der klirrenden Kälte versucht Bartko im heimischen Wohnzimmer „auf der Rolle“ zu entfliehen. Dort spult er unter Aufsicht von Dobermann Joe stupide sein Programm ab. „Was bleibt mir weiter übrig? Bei minus zehn Grad würde ich mir beim Radtraining im Freien über drei, vier Stunden sofort eine Lungenentzündung holen.“
Am heutigen Dienstag wird er noch einmal mit Kluge, der bis vorige Woche mit seinem neuen Team Milram im Trainingslager auf Mallorca weilte, auf der Bahn in Frankfurt (Oder) üben. „Roger steht voll im Saft, der kann nicht kaputtgehen“, urteilte Bartko über seinen zehn Jahre jüngeren Partner. Im Oktober in Amsterdam konnten die Europameister bereits ein Sechstagerennen der Saison für sich entscheiden. (Von Peter Stein)