Kanu-Rennsport

KANU: Medaillen und gute Noten

Potsdamerin Franziska Weber ist Deutschlands „Eliteschülerin des Jahres 2009“

Ein Novum in der deutschen Sportlandschaft: Erstmals zeichneten der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die „Eliteschüler des Jahres“ beim diesjährigen Neujahrsempfang des Dachverbandes aus. Zwei Athletinnen freuten sich über die Ehrung und eine Prämie von jeweils 5000 Euro: Rennkanutin Franziska Weber aus Potsdam und Spitzen-Turnerin Marie-Sophie Hindermann aus Stuttgart. „Das kommt für mich völlig überraschend“, kommentierte die 20-jährige Weber, die bis zum Sommer des vergangenen Jahres die Eliteschule des Sports „Friedrich-Ludwig Jahn“ in Potsdam besucht hatte.

Dass die beiden Preisträgerinnen 2009 äußerst erfolgreich ihre Abiturprüfungen bestanden, das hatte die Jury um den DOSB-Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Arbeitskreises „Eliteschulen“ Eberhard Gienger ebenso überzeugt wie die sportlichen Leistungen der jungen Frauen. Gerade der Eliteschule entwachsen, ist beiden bereits der internationale Durchbruch bei den Großen gelungen und der Sprung in die absolute Weltspitze geglückt. „Also haben wir uns gesagt: Zeichnen wir sie gemeinsam aus“, kommentierte Gienger die Wahl. Jede der derzeit existierenden insgesamt 40 „Eliteschulen des Sports“ in ganz Deutschland hatte dafür jeweils einen Kandidaten ins Rennen geschickt.

Franziska Weber hat für die 5000 Euro im Sinne der sportlichen oder beruflichen Karriere noch keinen Verwendungszweck parat. „Das muss ich erst einmal sacken lassen“, erklärt sie und verweist auf ihre ohnehin sehr beschränkten zeitlichen Freiräume in den nächsten Monaten. Schließlich laufe die Saisonvorbereitung bei den fleißigen Medaillensammlern des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) stets nach bewährtem Rhythmus ab. Gerade verbrachte Franziska Weber, die im Vorjahr bei der Heim-EM in Brandenburg mit Fanny Fischer im Zweier-Boot über 500 Meter Bronze gewann und bei EM wie WM jeweils Silber im Einer über die nichtolympische 1000-Meter-Distanz holte, knapp zwei Wochen beim Grundlagentraining in der Höhe von St. Moritz in der Schweiz.

Am Sonntag geht es für die Nationalmannschaft zum dreiwöchigen Trainingslager nach Florida, ehe nach der Rückkehr aus den USA hoffentlich die Boote zuhause am Ufer des Templiner Sees ausgepackt und die unmittelbaren Vorbereitungen auf die ersten internen Sichtungs- und Qualifikationsrennen beginnen können. „Je nach den Leistungen, die man da bringt, werden die Boote in jedem Jahr neu zusammengesetzt. Erfolge aus dem Vorjahr zählen da nichts mehr“, weiß Franziska Weber von der harten Konkurrenz. Gerade für sie als junge Athletin gelte es darum, sich „überhaupt erst mal für ein Boot anzubieten, ganz egal welches“. Ein Platz in einem Kanu, das 2012 in London um olympische Medaillen fährt, wäre ihr natürlich am liebsten. Daraus macht die junge Frau, die inzwischen an der Fachhochschule Potsdam Bauingenieurwesen studiert, keinerlei Hehl.

Die Qualifikation für die Sommerspiele 2008 sei für sie in ihrem ersten Jahr bei den Senioren noch eine „unlösbare Aufgabe“ gewesen. Mit Blick auf das Großereignis in zwei Jahren an der Themse soll das selbstverständlich anders werden. Die Auszeichnung als „Eliteschülerin des Jahres“ komme ihr da als Motivationsspritze gerade recht.

Einen ähnlichen psychologischen Schub gab es für Franziska Weber, die zwischen 2001 und 2009 vom Stadtteil Eiche zumeist mit dem Fahrrad, manchmal aber auch mit dem Bus zur Schule fuhr, bereits im vergangenen Jahr. Ihr Abiturzeugnis hatte sie just zur Siegerehrung zusammen mit der Bronzemedaille bei der Heim-EM am Beetzsee aus den Händen des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck bekommen. „Ein besonderes Erlebnis, das man bestimmt nicht vergisst.“ In eine eigene Wohnung umziehen wird sie in ihrem neuen Leben nach dem Ende der Schulzeit vorerst nicht. Das sei keine Option, winkt sie ab. „Dafür habe ich mich an meine Trainingseinheiten mit dem Fahrrad inzwischen zu gut gewöhnt.“

Überragende sportliche Erfolge, sehr gute schulische Leistungen, Zielstrebigkeit, professionelle Einstellung, Vorbildfunktion für die Mitschüler, gute sportliche Perspektiven hinsichtlich erfolgreicher Olympiateilnahmen – all diese Kriterien erfüllen die beiden Preisträgerinnen. (Von Andreas Müller)