Christian Diener macht Sit-ups am Beckenrand. Ein kurzes Aufwärmprogramm, bevor in der Schwimmhalle am Luftschiffhafen die zweite Trainingseinheit des Tages beginnt. Sieben Kilometer sind zu absolvieren. Routine für den athletisch gebauten jungen Mann. Der 17-Jährige, der am Potsdamer Olympiastützpunkt trainiert, gehört zu Deutschlands größten Nachwuchshoffnungen des Schwimmsports. „Wir sind hier, weil wir alles tun wollen, um Profis werden“, sagt er und blickt zu seiner Schwester Eileen, die gerade im Wasser ihre Bahnen zieht.
Eileen ist zwei Jahre jünger als ihr Bruder, aber ebenso talentiert wie er. Bei den deutschen Meisterschaften Anfang Juni in Berlin haben sich die Geschwister für die Junioren-EM vom 14. bis zum 18. Juli in Helsinki qualifiziert. Beide in ihrer Paradedisziplin – dem Rückenschwimmen. Mit guten Ergebnissen wollen sie in Skandinavien auf sich aufmerksam machen und beweisen, dass sie auch auf internationaler Ebene zu den Besten zählen.
„Stress und Leistungsdruck sind enorm“, gibt Christian Diener zu, der seit fünf Jahren im Internat des Olympiastützpunktes lebt. Dort besucht er zurzeit die 11. Klasse, will sich neben dem Sport aufs Abitur vorbereiten. Ob er denn Athleten kenne, die am Leistungsdruck gescheitert sind? Diener wendet seinen Blick ab, überlegt kurz. Er mag die Frage nicht. Der erfolgreiche Schwimmer – Sieger über die 200 Meter Rücken bei der Jugendolympiade 2009 in Finnland – ist ein Gewinner-Typ. Mit Selbstzweifeln und Schwierigkeiten anderer befasst er sich nicht. Viel lieber redet er über seine Bestzeiten: „2:03,05 Minuten über 200 Meter und 56:04,00 Sekunden über 100 Meter Rücken.“ In Helsinki will er sich weiter verbessern. Dann könnte sogar eine Medaille drin sein, hofft er.
Eileen ist etwas zurückhaltender als ihr Bruder. Sie sei zufrieden, wenn sie sich für den Finallauf qualifiziert, sagt sie während einer kurzen Trainingspause. Ihr Ziel ist es, die 50 Meter Rücken in 29 Sekunden zu schwimmen. Dafür arbeitet sie hart, legt im Becken Kilometer um Kilometer zurück. Zwei Trainingseinheiten absolviert sie täglich, jede dauert bis zu zwei Stunden. Hinzu kommen regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining. An den Wochenenden reist sie meist zu Wettkämpfen. Zeit, um Freunde oder Familie zu besuchen, bleibt kaum. „Das ist nicht einfach“, sagt die junge Athletin.
Vor drei Jahren ist Eileen ihrem Bruder nach Potsdam gefolgt. Auch sie hat das Elternhaus in Cottbus verlassen, um von den besseren Trainingsbedingungen in der Landeshauptstadt zu profitieren. Wie Christian startet sie aber weiterhin für ihren Heimatverein – den PSV Cottbus. Ein zweiter Platz über die 200 Meter Rücken bei der Jugendolympiade im vergangenen Jahr ist ihr bislang größter Erfolg.
Geerbt haben die Dieners ihr Talent von den Eltern. Vater Steffen war ein ambitionierter Kanute, Mutter Andrea passionierte Leichtathletin und Schwimmerin. Sie führten ihre beiden Kinder frühzeitig an den Schwimmsport heran. Nun unterstützen sie die Sprösslinge auf dem Weg zur Profikarriere.
Thomas Luckau, erfahrener Schwimmtrainer am Olympiastützpunkt Potsdam, kennt Christian und Eileen Diener bereits seit mehreren Jahren. Er ist davon überzeugt, dass sich die Geschwister auch international durchsetzen können. „Die beiden haben das Sieger-Gen, das für den Erfolg nötig ist“, sagt Luckau. „Wenn sie so weiterarbeiten wie bisher, ist sogar die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London möglich.“ (Von Alexander Pitz)